Mein Vertrauen in die Stadtverwaltung, ehrliche Antworten auf meine schriftlichen Anfragen zu bekommen, hat schwer gelitten.
Zum Müllproblem beim Migrantenheim in der Nußdorfer Straße hatte ich ja ein paar schriftliche Nachfragen gestellt. Kurz darauf hat auch ein Bürger die Stadt mit ähnlichen Fragen zur selben Problematik kontaktiert und dabei die Stadträte mit in den Verteiler aufgenommen.
Nachdem eine Reaktion der Stadt auf diese Bürgeranfrage ausblieb, hakte ich bei der Stadt nach, ob sie darauf schon geantwortet hat, und ob es stimmt, was der Bürger über die Müllabholung schreibt, die er selbst beobachtet hatte.
Daraufhin erfahre ich von der Stadt, dass sie dem Bürger bereits geantwortet habe. Auf meine Frage, wie denn die Antwort lautet, erhalte ich statt der Originalantwort nur diese „Zusammenfassung“:
Inhaltlich wurde auf die grundsätzliche Problematik der Feststellung einzelner „Müllsünder“ eingegangen, dies ist faktisch nahezu unmöglich. Es wurde zudem mitgeteilt, dass nunmehr größere Müllsammelbehälter aufgestellt werden, ebenso auch, dass die Kommunikation mit den Bewohnern intensiviert wird. Mit diesen Maßnahmen und auch einer engmaschigeren Überwachung versucht die Verwaltung das Problem bereits vor der Entstehung zu beseitigen.
Da der Bürger behauptete, mehr als vier abgeholte Container beobachtet zu haben, hakte ich hier nach und erhielt die Antwort:
Es waren vier Container, wobei einer zweimal beladen wurde.
Und da der Bürger schrieb, dass Bewohner bei der Aufräumaktion daneben standen und aus dem Grinsen nicht mehr herauskamen, während die städtischen Mitarbeiter den Müll verladen haben, hakte ich auch hier nach. Die Antwort der Stadt:
Ja, solche Bewohner gab es.
Das gibt schon ein anderes Bild ab, als die Antworten, die ich bekommen hatte. Daher habe ich den Bürger kontaktiert und ihn gebeten, mir die Antwort der Stadtverwaltung im Original weiterzuleiten. Und was ich da zu lesen bekomme, schlägt dem Fass den Boden aus.
Zunächst einmal stelle ich fest, dass die Antwort der Stadtverwaltung an den Bürger in Kopie an alle Fraktionssprecher im Gemeinderat ging, nicht jedoch an die AfD-Stadträte. Bemerkenswerterweise bekam ich die Antwort ja noch nicht einmal, als ich nach ihr fragte, sondern nur eine fragwürdige Zusammenfassung davon.
Im Folgenden vergleiche ich die Antworten, die ich als AfD-Stadtrat von der Stadt bekam, mit den Antworten, die der Bürger erhielt. Eine meiner schriftlichen Nachfragen zum Müllproblem beim Migrantenheim in der Nußdorfer Straße lautete:
Da die Bewohner kein Einkommen haben und nur geringe Leistungen vom Staat erhalten, können sie die Gegenstände, die sich dort als Müll angesammelt haben, nicht selbst gekauft haben. Hat die Stadt eine Erklärung dafür, woher die Bewohner die Gegenstände bezogen haben?
Die Stadt antwortete mir darauf:
Hierzu kann keine Auskunft gegeben werden. Da es allerdings auch in diversen sozialen Medien Möbel zu günstigen Konditionen oder zu verschenken gibt, ist dies am wahrscheinlichsten.
Zu meinem Erstaunen heißt es in der Antwort an den Bürger dagegen nicht „Hierzu kann keine Auskunft gegeben werden.“, sondern:
Zur Müllvermeidung haben einzelne, amtsbekannte Personen bereits Betretungsverbote für den Wertstoffhof erhalten, da sie dort regelmäßig entsorgte Elektrogeräte mitgenommen haben, die wenige Tage später wieder als Müll hinter den Unterkünften aufgetaucht sind. Allerdings sind diese einzelnen Personen auch dafür bekannt, dass sie die Abholrouten von angemeldetem Sperrmüll abfahren und Gegenstände mitnehmen, die später wieder hinter den Unterkünften entsorgt werden. Dies ist leider nicht zu verhindern.
Und während es in der Anwort auf eine meiner Fragen noch anerkennend hieß:
Die eigentliche Arbeit, das Sortieren und das Herbeiholen der Materialien, wurde überwiegend von den Bewohnerinnen und Bewohnern selbst übernommen.
lese ich nun in der Antwort an den Bürger:
Für unsere Beschäftigten, die für die Anschlussunterkünfte zuständig sind, ist es sehr frustrierend, dass manche Bewohner die Entsorgung des Mülls in despektierlicher Art und Weise als Aufgabe der Mitarbeiter der Verwaltung sehen, auf die sie einen Anspruch hätten. Das hätten wir auch sehr gerne anders, ist aber bestimmt nicht alleine in Überlingen ein Problem. Dies wird bei Erfahrungsaustauschen mit anderen Städten bestätigt.
Bezüglich der von Ihnen genannten, abgemeldeten Fahrzeuge ist bekannt, wer die Eigentümer sind. Die Verwaltungsmitarbeiter wirken auf sie ein, diese entsorgen zu lassen, stoßen aber auf keine Kooperation.
In Anbetracht dieser janusköpfigen Antwortweise der Stadtverwaltung sind wohl auch die Aussagen über die (erstaunlich geringen) angefallenen Kosten mit Vorsicht zu genießen.



















