Gemeinderatssitzung vom 25.03.2026
Die Bewohner des Pflegeheims St. Franziskus bekommen jeden Tag Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Abendessen. Beim Mittagessen kann man aus zwei Menüs auswählen. Spezielle Diäten werden berücksichtigt. Zusammen mit dem Transport des Essens und dem Spülen des Geschirrs fallen dafür 16,92 Euro netto pro Bewohner und Tag an. Zu viel ‒ diesen Betrag will sich das Pflegeheim jedenfalls mittelfristig nicht mehr leisten und beabsichtigt laut Wirtschaftsplan auf Seite 14, bei der Speiseversorgung „einen wirtschaftlicheren Betrieb zu realisieren“.
In der Tat fährt die Einrichtung nicht unerhebliche Verluste ein. Als Eigenbetrieb des Spital- und Spendfonds Überlingen gehen die Verluste des St. Franziskus zu Lasten des Stiftungsvermögens. In den letzten beiden Jahren betrug der Fehlbetrag jeweils mehr als 300 Tausend Euro. Für 2026 ist das wieder so vorgesehen und in der Mittelfristplanung bis 2029 sieht es nicht wesentlich besser aus. Klar, da muss was passieren ‒ also wird jetzt am Essen gespart.
Mich wundert der hohe Verlust des St. Franziskus. Die Erträge des Heims speisen sich im Wesentlichen aus dem Pflegesatz, den die Pflegekasse zahlt, und dem Eigenanteil, den der Bewohner oder das Sozialamt zahlt. Im St. Franziskus sind die Kosten höher als Pflegesatz und Eigenanteil zusammen. Wie kommt das? Lässt man den Bewohnern einen so hohen Luxus angedeihen? (Das kann ich zumindest beim Essen nicht erkennen.) Oder wirtschaftet die Verwaltung so ineffizient? Die Antwort auf die Frage nach der Verlustursache gibt der Wirtschaftsplan auf Seite 13: Die Auskömmlichkeit der Pflegesätze sei nicht gegeben. Mit anderen Worten wird die Ursache darin gesehen, dass die Pflegekasse weniger zahlt, als sie sollte. Offenbar sieht man die Kosten schon weitgehend optimiert und kaum weiteren Spielraum für Senkungen, gleichwohl werden sie nicht vollumfänglich von der Pflegekasse übernommen.

In der Stiftungsratssitzung kommt mir Kollege Hornstein mit seiner Frage zuvor: „Wie laufen denn solche Pflegesatzverhandlungen ab?“ Betriebsleiter Christian Glage gibt uns einen Einblick: Man unterhalte sich da über die einzelnen Kostenarten. Das Pflegeheim legt beispielsweise die voraussichtlichen Kosten der Speiseversorgung im kommenden Jahr dar und die Pflegekasse legt ein Ranking dieser Kostenart bei anderen Pflegeheimen daneben. Wenn sich dann zeigt, dass die Essenskosten beim St. Franziskus überdurchschnittlich hoch sind, nimmt die Pflegekasse einen Abschlag vor, den sie nicht zahlt. Neben den Speisekosten seien beim St. Franziskus vor allem die Energiekosten problematisch, ansonsten befinde man sich bei den meisten Kostenarten eher im Durchschnitt. Verhandlungen über vergangene Kosten, die nicht gedeckt werden konnten, werden übrigens gar nicht erst geführt. Wenn beispielsweise der Strompreis unerwartet stark angestiegen ist, bleibt der Pflegebetrieb einfach auf den Kosten sitzen. Sollte das Pflegeheim mit dem dermaßen diktierten Pflegesatz nicht einverstanden sein, könne es nach der Verhandlung zu einer Schiedsstelle gehen, aber das ziehe sich endlos hin und der Erfolg sei fraglich. Herr Glage ergänzt noch: Früher war das anders, da bekam man das, was man an Kosten hatte.
Das Prinzip dieses Mechanismus ist klar: Es ist eine Kostensenkungsspirale. Wer über den Durchschnittskosten liegt, zahlt drauf und wird schauen, wo er sparen kann. Durch die Sparmaßnahme wird wiederum der Durchschnitt gedrückt. Die Leidtragenden dieses Wettbewerbs nach unten sind die Pflegefälle, denen immer mehr genommen wird. Gibt es so was eigentlich auch bei den Asylheimen? Oder ist es da nicht so, dass sogar Luxushotels kein Problem sind? Wie kommt es, dass wir jenen immer mehr nehmen, die unser Land aufgebaut und den Wohlstand geschaffen haben, von dem wir heute zehren? Und dass wir es anderen zukommen lassen, denen wir nichts zu verdanken haben?

Das Pflegeheim St. Franziskus hat als jahrhundertealtes Kulturdenkmal überdurchschnittlich hohe Energiekosten und kann nicht mit den Kosten eines modernen Pflegeheims mit hohem Energiestandard mithalten (welches seine vergleichsweise hohen Investitionskosten durchaus geltend machen darf). Die Pflegekasse zahlt folglich nicht die gesamten Energiekosten und der Spital- und Spendfonds darf am Ende dafür aufkommen. Das sehe ich nicht ein! Die Pflege gehört zur Daseinsvorsorge des Staates, weil sie für ein menschenwürdiges Dasein unumgänglich ist. Dafür zahlen wir Steuern. Der Staat kann diese Aufgabe an private oder gemeinnützige Pflegeheime delegieren, aber er kann die Kosten dafür nicht unsere Stiftung tragen lassen.
Es ist eine gute Sache, dass der gemeinnützige Spital- und Spendfonds keine Gewinnerzielungsabsicht hat und sich daher ganz der „Versorgung armer, kranker und alter Einwohner“ widmen kann, wie es sein Satzungszweck ist. Seine Erträge aus den Wäldern, Äckern und anderen Immobilien müssten genutzt werden, um den Pflegefällen ein würdigeres Dasein zu ermöglichen, als es die staatliche Leistungsdrosselung zulassen würde, beispielsweise bei der Speisung. Doch stattdessen verwendet die Stiftung jetzt ihr Vermögen für die Übernahme von Kosten, die der Staat zahlen müsste, während die Regierung das auf diese Weise eingesparte Geld wiederum in Rüstung, Entwicklungshilfe und andere fragwürdige Zwecke steckt. Das widerspricht dem Stiftungszweck!


Ich habe im Stiftungsrat vorgeschlagen, Herrn Glage für die kommenden Pflegesatzverhandlungen eine stärkere Verhandlungsposition zu verschaffen: Wir sollten beschließen, dass wir auskömmliche Pflegesätze erwarten. Wir wollen keinen Gewinn, aber es dürfen auch keine Verluste mehr entstehen, ansonsten kann der Staat die Pflege gerne selbst übernehmen und schauen, wie er es besser hinbekommt. Unsere Stiftung bettelt nicht darum, ein Pflegeheim betreiben zu dürfen!
Ich kam damit nicht durch. Die anderen Mitglieder des Stiftungsrats beugten sich dem System, anstatt unseren längeren Hebel in Anbetracht des Pflegenotstands zu nutzen. Der Wirtschaftsplan wurde beschlossen einschließlich der darin enthaltenen Absichten, weiterhin die nicht gedeckten Kosten zu tragen und dafür am Essen der Bewohner zu sparen.
Nachträgliche Gedanken
Vermutlich hatte der Stiftungsrat recht, dass er dem Wirtschaftsplan zugestimmt hat. Der Pflegenotstand ist für uns kein längerer Hebel, sondern gar kein Hebel, denn der Staat zeigt ja gerade, dass ihn zehntausende fehlende Pflegeplätze nicht weiter kümmern. Er hat sein Versorgungsversprechen für Pflegebedürftige quasi aufgekündigt. Die Regierung verwendet statt dessen die verfügbaren Mittel für die Vorbereitung eines Krieges, für die Ansiedlung und Versorgung von Millionen Migranten oder für vermeintliche Fahrradwege in Peru. Damit kehren in Deutschland jene Zustände zurück, die vor Jahrhunderten zur Gründung des Spital- und Spendfonds geführt hatten: Eine fehlende öffentliche Daseinsvorsorge für Alte und Kranke. Zukünftig müssen das also wieder private mildtätige Stiftungen übernehmen, so gut es eben geht. Es wäre schön gewesen, wenn das jemand von den Befürwortern des Wirtschaftsplans in der Sitzung des Stiftungsrats so klar und deutlich ausgesprochen hätte ‒ wenn denn jemand tatsächlich so weit gedacht hat.









































