Ausschusssitzung vom 23.03.2026
Der unscheinbare Überlinger Killbach könnte seinem gefährlichen Namen jederzeit beängstigend gerecht werden: Im Falle eines außergewöhnlichen Starkregens ‒ ein sehr seltenes Ereignis, zu dem es nicht unbedingt kommen muss ‒ würde sich das Wasser an einem lokalen Tiefpunkt unterhalb der Umgehungsstraße B31n stauen, bevor es langsam weiter über den Spetzgarter Tobel und durch Goldbach in den Bodensee abfließt. In diesem Tiefpunkt liegt die Todesgefahr, denn hier befindet sich das Überlinger Tierheim, welches bei einem entsprechenden Platzregen vollständig überflutet werden würde. Das wurde bei der Präsentation einer Studie zum Starkregenrisiko-Management auf Seite 4 in der letzten Sitzung des Bauausschusses klar und deutlich gesagt.

Die im Heim untergebrachten Tiere hätten keine Überlebenschance. Zuerst wären die im Untergeschoss lebenden Katzen und weitere Kleintiere dran und danach, wenn das Wasser weiter steigt, die Hunde im Obergeschoss.


Und wer wäre an der Tragödie schuld? Auch hierzu trifft die Stadtverwaltung in ihrer Präsentation eine klare Aussage: Der Schutz des Tierheims falle unter § 5 Absatz 2 Wasserhaushaltsgesetz:
Jede Person, die durch Hochwasser betroffen sein kann, ist im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor nachteiligen Hochwasserfolgen und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen.
Die Verantwortung, dass die Tiere nicht ertrinken, liegt also beim Tierschutzverein Überlingen und Umgebung e.V., der das Tierheim seit 1968 betreibt. Der gemeinnützige Verein finanziert sich über private Spenden. Die Stadt hatte das Grundstück damals zur Verfügung gestellt, ganz weit draußen, wo das Gebell niemanden stört. Sie zahlt auch jährlich eine Fundtierpauschale: 2025 wurden knapp 46 Tausend Euro dafür überwiesen, dass der Verein die Fundtiere in Überlingen versorgt ‒ ein Geschäft, bei dem der Verein noch draufzahlt. Eine Vorsorge gegen Überflutung, sofern überhaupt möglich, liegt damit außerhalb der finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Aber das kümmert die Stadt nicht. Sie befand es nicht einmal für nötig, den Tierschutzverein über die festgestellte Gefahr eines außergewöhnlichen Starkregens zu informieren.

Ich dachte, ich schreibe beizeiten darüber. Dann ist der Schock nicht so groß, wenn man in ein paar Jahren von 60 ertrunkenen Tieren in der Zeitung liest, und davon, dass mit so einem Starkregen ja nicht zu rechnen war und wohl niemand geahnt hätte, dass dabei das ganze Tierheim überflutet werden würde.

