Ein Meer von Solarpanelen neben dem Andelshofer Weiher

Agri-PV in Andelshofen

Ausschusssitzung vom 18.05.2026

Agri-PV bezeichnet die Kombination von Photovoltaikanlagen und Landwirtschaft auf derselben Fläche. Nördlich von Andelshofen soll das jetzt auf einem Gebiet von etwa 12 Hektar Größe entstehen: Oben PV-Platten, unten Erdbeeren. Bei Sonnenschein wird dann eine Spitzenleistung von 5,6 Megawatt erzeugt, die entweder direkt an einen industriellen Abnehmer im Gewerbegebiet geleitet oder ins Netz gespeist oder in einem eigens zu errichtenden Lithiumakku mit 12 Megawattstunden Kapazität zwischengespeichert wird.

Stadtrat Büchele sitzt bei diesem Tagesordnungspunkt im Bauausschuss bei den Zuschauern, weil er als Eigentümer eines Teils der Fläche als befangen gilt. Ein anderer Teil der Fläche gehört der Stadt selbst. Wenigstens 3.000 Euro pro Hektar und Jahr lässt sich damit verdienen ‒ möglicherweise sittenwidrig und nachträglich anfechtbar.

Zwei Leute vom Projektentwickler, der Diveo GmbH aus Freiburg, sind extra für diese Sitzung angereist. Was von dem Projektentwickler zu halten ist, merke ich schon bei der Vorbereitung für die Sitzung, als ich in der Präsentation lese: „ohne jegliches Investitions-Risiko“. Seriöse Unternehmen schreiben so was nicht.

In meinem Redebeitrag mache ich darauf aufmerksam, dass es hierzulande schon viel Photovoltaik gibt. Da die erzeugte Energie aber nicht im erforderlichen Umfang gespeichert werden kann, führt das dazu, dass mal zu viel Strom erzeugt wird und mal zu wenig. Solange es dafür keine Lösung gibt, ist ein weiterer Ausbau volkswirtschaftlich nachteilig. Die präsentierte Wirtschaftlichkeitsrechnung erscheint nur deshalb vorteilhaft, weil der Staat kräftig in den Strommarkt eingreift und dadurch die Problematik kaschiert.

Der Projektentwickler widerspricht mir: Das Projekt komme ohne Subventionen aus und trage sich rein marktwirtschaftlich. (In der Niederschrift zur Sitzung lese ich später überraschenderweise die wesentlich weichere Aussage, wonach man nur versuche, ohne eine Subvention auszukommen.) Tatsache aber ist, dass der Erlös durch die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abgesichert wird.

Ich stelle noch die Fragen, ob die PV-Anlage Giftstoffe wie beispielsweise Blei oder Cadmium enthält, ob diese recycelt werden und wie gewährleistet wird, dass sie nicht in den Boden und damit in unsere Lebensmittel gelangen – insbesondere im Fall von Beschädigungen beispielsweise durch Hagelschlag. Der Projektentwickler meint, es sei bis jetzt noch nie vorgekommen, dass Module zerstört wurden und der Boden kontaminiert wurde. Wie erwartet erwähnt er den hohen Recyclinganteil der Solarzellen, geht aber nicht auf meine Frage nach dem Recycling der Giftstoffe ein. Daher frage ich noch einmal gezielt nach und der Projektentwickler muss passen, will die Information aber gerne nachliefern.

Tatsächlich ist es so, dass die hohe Recyclingquote nur auf den ersten Blick gut klingt. Weil Glas rund 70 Prozent des Modulgewichts ausmacht und der Aluminiumrahmen etwa 13 Prozent, wird die gesetzliche Pflicht bereits erfüllt, wenn lediglich diese beiden Materialien recycelt werden, was wohl relativ einfach und wirtschaftlich geht.

Ungünstig wäre es, wenn Giftstoffe bei einer starken Beschädigung der Solarmodule auf dem Acker freigesetzt würden. Die Frage ist eher, ob es dafür wirklich einen Tornado braucht, oder ob auch ein kräftiger Hagelschlag gegen Ende der Laufzeit bei vorangeschrittener Materialermüdung ausreicht. Und ob Deutschland in dreißig Jahren überhaupt noch in der Lage ist, die Anlage zurückzubauen und zu recyceln, wenn die Boomer-Generation mit ihrer historisch einzigartigen Menge an Ingenieuren unter der Erde liegt?

Die „grüne“ Verunstaltung der Landschaft mit kräftigem Profit überzeugt zum Glück nicht jeden Flächeneigentümer. Das zeigt ein Blick auf die Landkarte mit der zweigeteilten Form der geplanten Agri-PV-Fläche: Der grüne Keil in der Mitte gehört einem Bauern, der das Angebot der Diveo GmbH dankend abgelehnt hat.

Die Stadtverwaltung ist leider im Begriff, das Andelshofener „Dorfbild“ in jeglicher Hinsicht zu zerstören. Der aktuelle Gemeinderat wird dem kaum etwas entgegen setzen. Ich befürchte, dass Andelshofen am Ende der Wahlperiode bis zur Unkenntlichkeit entstellt sein wird. Wenn die Andelshofener nicht langsam lernen, sich zu wehren, werden sie bald ihre Heimat verloren haben, in der sie groß geworden sind.