Windkraft floppt

Windparkruine

Gemeinderatssitzung am 24.06.2026

Das Stadtwerk am See präsentiert seinen Jahresabschluss 2025 in der Gemeinderatssitzung. Die Gewinn- und Verlustrechnung enthält Abschreibungen auf Finanzanlagen von fast 400 Tausend Euro. Im Anhang liest man dazu:

Bei der Beteiligung KommunalPartner Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG wurde eine außerplanmäßige Abschreibung von 370 TEUR vorgenommen.“

KommunalPartner? Das kommt mir bekannt vor. In der ersten Gemeinderatssitzung dieses Jahres stand das Thema Windkraft auf dem Hochbühl auf der Tagesordnung. Dort hatte der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben ein sogenanntes Windvorranggebiet ausgewiesen und die Stadtverwaltung wollte nun daraus Kapital schlagen. Damals wurde dem Gemeinderat ein Angebot zur Errichtung von fünf Windenergieanlagen vorgestellt, welches von ABO Energy (Projektentwickler) in Kooperation mit KommunalPartner (Betreiber) stammte. Nach Fertigstellung würde das Stadtwerk am See im Verbund mit KommunalPartner den erneuerbaren Strom bereitstellen.

Oberbürgermeister und Baubürgermeister empfahlen das Vorhaben eindringlich. Das Projekt würde einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele der Stadt Überlingen leisten, die regionale Wertschöpfung durch Aufträge an lokale Bau- und Dienstleistungsunternehmen steigern und ordentlich Pachterlöse abwerfen. Eine finanzielle Bürgerbeteiligung sei verpflichtend vorgesehen.

Ich stemmte mich damals energisch dagegen und sagte, mich würde nicht wundern, wenn statt hoher Gewinne am Ende eine Bauruine auf dem Hochbühl steht und man sich darüber streitet, wer für den Schaden aufkommen muss. Schon Mitte November 2025 kam nämlich die erste Gewinnwarnung von ABO Energy und der Kurs der Aktie stürzte von einstmals knapp 100 Euro auf unter 7 Euro ab. Inzwischen war der Jahresverlust 2025 auf 170 Mio. Euro geschätzt worden. Als Gründe für die Verluste wurden angeführt: drastisch veränderte Marktbedingungen, Sonderabschreibungen aufgrund eines gesunkenen Zuschlagsniveaus der Einspeisevergütungen, gesunkene Entwicklermargen für Erneuerbare-Energien-Projekte.

Die negativen Fakten hielten trotzdem unsere Bürgermeister nicht von der Empfehlung ab, uns vertraglich an dieses desolate Unternehmen zu binden. Und nicht nur das: Auch die Bürger sollten sich im Rahmen von Bürgerbeteiligungen diesem maroden Unternehmen finanziell anvertrauen.

Inzwischen hat die ABO Energy ihr „verbindliches Gesamtangebot“ zur Errichtung der Windräder auf dem Hochbühl in Gänze zurückgenommen. Von neuerlichen windigen Abenteuern der Stadtverwaltung ist mir bislang nichts zu Ohren gekommen.

Nun lese ich also von der außerplanmäßigen Abschreibung in Höhe von 370 Tausend Euro im Jahresabschluss des Stadtwerks am See und frage dessen Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle in der Gemeinderatssitzung, was die Ursache dafür sei. Wenig überraschend bekommen wir zu hören:

Die Windkraftbeteiligungen hatten bislang übermäßig abgeworfen, aber das sei heute nicht mehr der Fall. Daher war eine Neubewertung erforderlich.

Die Stadt Überlingen ist gerade noch mal ungeschoren davon gekommen.